Mittwoch, 20. November 2013

Asoziale Parasiten




Kurt Tucholsky zugeschrieben, soll das Folgende 1930 in der "Weltbühne" erschienen sein.
Aber die Nomenklatur deutet eher auf einen begabten Parodisten aus unserer Zeit; denn "Leerverkauf" und "Derivat" waren damals noch nicht ins Zocker-Vokabular integriert...
Immerhin - mit Genuß zu lesen...


Spekulantenbrut



Wenn die Börsenkurse fallen, regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf: Ihr Rezept heißt "Leerverkauf". 
Keck verhökern diese Knaben Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los, den sie brauchen - echt famous!
Leichter noch bei solchen Taten tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert, wird die Wirkung potenziert.
Wenn in Folge Banken krachen, haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus - heißt: Bewohner müssen raus !
Trifft's hingegen große Banken,kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut zittert jetzt um Hab und Gut!
Soll man das System gefährden ? Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat, die Verluste kauft der Staat. 
Dazu braucht der Staat Kredite, und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jedem Land die Regierung in der Hand.
Für die Zechen dieser Frechen hat der kleine Mann zu blechen,
und - das ist das Feine ja, nicht nur in Amerika !
Und, wenn Kurse wieder steigen, fängt  von vorne an der Reigen-
ist halt Umverteilung pur, stets in eine Richtung nur.
Aber sollten sich die Massen das mal nimmer bieten lassen, 
ist der Ausweg längst bedacht :Dann wird bisschen Krieg gemacht.   

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